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Vietnam, zwischen Kolonialismus und Kommunismus

20. Mai 2006 – Diskussionsrunde

Historischer Background

Für die Entstehung der 68er-Revolte und der späteren RAF spielte der insgesamt dreißigjährige Vietnamkrieg, in dem anfänglich die französische Kolonialmacht involviert war, eine zentrale, auslösende Rolle. Die Diskrepanz zwischen dem freiheitlich-demokratischen Anspruch der westlichen »Wertegemeinschaft« und der Barbarei des Krieges, welcher in ihrem Namen geführt wurde, war für die studentische, neue Linke nicht nur in der Bundesrepublik unerträglich geworden. Dazu kam linkes Unbehagen mit der grundlegenden und allgegenwärtigen Rechtfertigungsideologie des Antikommunismus.

Die Schutz- und Führungsmacht des Westens verfolgte, nach der Niederlage der Franzosen, gemäß ihrer postkolonialen »Dominotheorie« das Ziel, die Ausbreitung des kommunistischen Gespenstes in Asien mit allen, also auch militärischen Mitteln, einzudämmen.

Im Vietnamkrieg waren bis zu 550 000 amerikanische Soldaten, dioxinhaltige Entlaubungsmittel und das berüchtigte phosphorhaltige Napalm im Einsatz, wurden viermal mehr konventionelle Bomben abgeworfen als auf Europa im Zweiten Weltkrieg.

Offizielle Politik und Medien in der BRD schwankten in ihren Verlautbarungen überwiegend zwischen wohlwollender partnerschaftlicher Unterstützung der US-Kriegsführung und betretenem Schweigen angesichts der Kriegsverbrechen.

Weniger die direkte Niederlage auf dem Schlachtfeld als vielmehr der Aufstand der Antikriegsbewegung im eigenen Land trug schließlich 1975 zum Rückzug der USA, zur Wiedervereinigung Vietnams unter sozialistischem Vorzeichen und zum baldige Ende des »schmutzigen Krieges« bei.

Zur Veranstaltung

Am Samstag den 25. März um 20 Uhr spricht Chung van Tran im Jugendclub Bureau zum Thema Vietnam zwischen Kolonialismus und Kommunismus. Dieser Informationsabend soll nicht nur der Erinnerung an das Ende des Vietnamkrieges vor dreißig Jahren dienen, sondern auch dem Aufeinandertreffen zwischen der alten und neuen Linken in Sulzbach-Rosenberg. Die neue Sulzbacher Linke hat sich nicht nur durch ihren Namen (Jugendclub Bureau) bewußt in die linke Tradition dieser Stadt gestellt, jenseits von Gewerkschafts- und Parteistrukturen. Trotzdem gibt es kaum Kontakte oder Zusammenarbeit zwischen Alt und Jung, dafür aber inzwischen tiefe ideologische und politische Gräben.

Im Anschluss an den Vortrag über Vietnam ist Gelegenheit über Verbindendes und Trennendes ausführlich miteinander zu diskutieren und auch zu streiten. Zur Debatte stehen sicherlich die Rolle der Weltmacht USA nach 1945, das Verhältnis der Linken zum Krieg allgemein und zum imperialistischen Angriffskrieg im Besonderen. Gedacht ist auch, entsprechendes Interesse vorausgesetzt; an ähnliche Treffen in der Zukunft um alte und neue Linke vor Ort ins Gespräch zu bringen und mögliche gemeinsame Aktionen oder eine dauerhafte Kooperation zu befördern.

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