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Soliparty für den »ça ira« Verlag und das ISF

13. April 2006 –

Seit über 20 Jahren stehen die Initiative Sozialistisches Forum bzw. das Institut für Sozialkritik Freiburg und der ca ira-Verlag für eine kommunistische Kritik, die sich an Marx, am Rätekommunismus und an der Kritischen Theorie orientiert.

In dieser Zeit hat der Verlag unzählige für die kommunistische Theoriebildung wichtige Bücher herausgegeben, unter anderem die Gesamtausgabe der Werke von Johannes Agnioli. Dabei befand er sich finanziell schon immer in einer permanenten Krise. Laut einem aktuellen Schreiben an die Mitglieder aber hat sich das im Laufe des letzten Jahres so zugespitzt, daß wir genötigt sind, Euch dringend um eine außerordentliche Unterstützung zu bitten.

Prozesskosten, Darlehensrückzahlungen, Druckkosten und natürlich die Tatsache, dass sich mit kritischen kommunistischen Büchern nicht wirklich vernünftig Kapital akkumulieren lässt, haben nach Aussagen des Vereinsvorstands dazu geführt, dass momentan etwa 15.000 € fehlen, »um die Verlagsarbeit auf solider Grundlage fortsetzen zu können.« Es wäre nicht nur einfach schade, sondern für die wenigen, die sich noch immer der Kritik statt der Reform verschrieben habe, eine Katastrophe, müsste der Verlag seine Arbeit einstellen.

Die Einnahmen des Abends sollen daher einen wenigstens kleinen Beitrag zur Behebung des Dilemmas leisten. Darüber hinaus kann sich natürlich jede/r von Euch überlegen, ob er/sie Verein und Verlag nicht zum Beispiel durch Spenden, Bücherbestellungen oder eine Vereinsmitgliedschaft unterstützen will. Infos dazu gibt es unter: www.isf-freiburg.org

ISF & »ça ira«Verlag ???
Was Verein und Verlag genau wollen und wofür sie stehen, lässt man sie am besten selbst darstellen [Auszug aus dem ISF-Flyer]:

»Die ISF tritt für die staaten- und klassenlose Weltgesellschaft ein. Sie bezweckt daher ein kategorisches Programm der Abschaffungen. Das will heißen, daß sie weniger marxistisch als vielmehr materialistisch denkt und handelt: im Sinne der marxschen ›Kritik der politischen Ökonomie‹, nicht sozialistischer Politik. Sie will damit helfen, eine verkehrte Gesellschaft zu revolutionieren, in der, wie früher alle Wege nach Rom, so heute alle Wege hinein in den Staat führen. Die ISF ist nicht konstruktiv oder gar dekonstruktiv, nicht ökologisch, pazifistisch oder reformistisch gestimmt: Ihre Praxis ist nicht die Politik, sondern die materialistische Kritik, insbesondere die Ideologiekritik. Ideologiekritik, die intellektuelle Aktion schwacher Kräfte, ist jene Kritik gesellschaftlicher Erkenntnis, die auf die Abschaffung der Spaltung von geistiger und körperlicher Arbeit zielt. Die Kritik der Ideologie, die Kritik der deutschen Ideologie vor allem, als des notwendig falschen Bewußtseins von Ausbeutung und Herrschaft, von Akkumulation und Vernichtung bezweckt, den Verblendungszusammenhang zu brechen und die Kritik zur Krise zu radikalisieren. Unter ›Linken‹ nennt man so etwas gerne ›antideutsches Banausentum‹, ›neue deutsche Wertkritik‹, gar: ›negativistischen Ableitungsmarxismus‹. Denn an den Skandal, daß die Menschen sagen, was sie wissen, aber nicht wissen, was sie sagen, hat man sich längst gewöhnt. Vor allem in Deutschland, wo, nach dem Umschlag der bürgerlichen Gesellschaft in Barbarei, Massenvernichtung und Volksgemeinschaft, keine Lüge mehr ausgesprochen wird, die nicht den Status von Wahrheit im höheren und ›eigentlichen‹ Sinn beanspruchte. Die ISF weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird – aber sie weiß genau, daß es anders werden muß, soll es jemals besser werden können. Jede bisherige Revoltbewegung war unmittelbar zugleich eine Bewegung der Aufklärung und Kritik. Unter dem Bann der Ideologie jedoch wurde das Wissen zur Theorie degradiert und das Handeln zur Praxis. Die Bücher des ça ira-Verlages sollen ein Beitrag sein, das Verhältnis von Wissen und Handeln unter den Bedingungen der postfaschistischen Kapitalvergesellschaftung als Verhältnis von Kritik und Krise darzustellen.«

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