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Ebermann und Trampert

07. April 2006 – Mit ihrem Programm »Zu Gast bei Freunden«

Genau hingehört: Jeder entlarvt sich selbst, so gut er kann

Sulzbach-Rosenberg. (tlm) »Zu Gast bei Freunden« lautet der Titel des aktuellen Programms von Thomas Ebermann und Rainer Trampert. Am Freitagabend hatte dieser Titel noch eine zweite Bedeutung, denn die beiden Hamburger lasen in Sulzbach-Rosenberg vor einer kleinen, aber über mehrere Auftritte in den vergangenen Jahren gewachsenen Fangemeinde.

Etwa 70 überwiegend junge Zuhörer hatten den Saal der Arbeiterwohlfahrt aufgesucht, in den der Jugendclub »Bureau« zu »sortenreinem linken Kabarett« eingeladen hatte. Ebermann und Trampert enttäuschten ihre Fans nicht.

Ebermann und Trampert waren einst Mitbegründer der Grünen und hatten als prominente Vertreter des Fundi-Flügels hohe Partei-Ämter bekleidet, ehe sie 1990 frustriert aus der Partei austraten, weil sie ihre Positionen nicht gegen den erstarkenden Realo-Flügel durchsetzen konnten. Seitdem prangern sie Missstände publizistisch an, was den Vorteil hat, nicht zwingend eine eigene Alternative anbieten zu müssen. Aber, sagt Rainer Trampert, »das muss erlaubt sein. Denken kann schließlich jeder selbst.« In ihrem Kabarett-Programm »Zu Gast bei Freunden« halten sie keineswegs pauschal »der Gesellschaft« den Spiegel vor. »Vielmehr machen wir uns über gewisse Herrschafts- und Machtzirkel lustig, indem wir ihre Ideologie auseinander nehmen«, sagt Trampert.

Eigentlich lassen Ebermann und Trampert exponierte Persönlichkeiten oder Medien sich selbst entlarven, denn die Kabarettisten beziehen sich auf deren Original-Zitate. Ebermann übernimmt meist den Part des Rezitators, während Trampert bissig kommentiert. So entsteht ein sich zum Stakkato steigerndes Wortgefecht zwischen beiden Rollen, ebenso rasant wie unterhaltsam.

Als Opfer nehmen sie sich zum Beispiel Reinhard Mey vor, der nicht nur »mit seinen Liedern vier Generationen an seinem belanglosen Alltag teilhaben ließ«, sondern jetzt auch noch eine Autobiografie veröffentlicht hat. Darin, so enthüllen Ebermann und Trampert, outet sich Mey als geradezu gnadenloser Gutmensch, der Deutschland wirklich liebt, solange nicht der »Gartennazi« nebenan mit seinem Rasenmäher die Ruhe des Liedermachers stört – »Ach, über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.!«

Kinderfeindliches Märchen
Die Themenpalette, der Ebermann und Trampert sich widmen, reicht über Anti-Graffiti-Organisationen, Papst Benedikt XVI., das ins bürgerliche Lager übergeschwenkte Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« bis hin zum kinderfeindlichen deutschen Märchen. Von links beleuchtete Themen, aber wohltuend weit weg vom parteipolitischen Alltag.

Nur bei Sieg freundlich
Auch das Organisationskomitee der Fußball-WM (»Die Welt zu Gast bei Freunden«) mit ihrer Freundlichkeits-Kampagne bekommt ihr Fett weg. Letztendlich, so belegen Ebermann und Trampert schlüssig, sei der deutsche Fußball-Fan nämlich nur freundlich, fröhlich und hilfsbereit gegenüber Fremden, wenn die deutsche Elf siege.

Also schlussfolgern sie: »Deutschland muss siegen, um im Ausland mit dem Vorurteil aufzuräumen, dass Deutsche immer siegen müssen.«


Zu den Referenten/Autoren/Publizisten

Rainer Trampert & Thomas Ebermann

arbeiten als Publizisten, u. a. für konkret und die Jungle World, und als Buchautoren. Seit einiger Zeit sind sie auch mit sarkastischen Dialogen auf Vortragstour. Zuletzt erschien im Konkret Literatur Verlag ihr Buch »Sachzwang & Gemüt« (2002) [320 Seiten, Sonderpreis € 10,- // SFr 18,-]

Pressestimmen
»Nach dem Erfolg ihres Programms ›Sachzwang und Gemüt‹, das auch in Buchform vorliegt, bedienen sie sich auch in ihrem neuen Programm der bewährten Montage von unverfälschten Originalzitaten und parteilichen Kommentierungen, die sie in einem arbeitsteiligen Duett vortragen. ›Die Wirklichkeit ist so bekloppt, wie wir sie besprechen‹, versicherte Thomas Ebermann schon anlässlich des letzten Programms. Es besteht wenig Hoffnung, dass sich die Verhältnisse seitdem zum Besseren verändert hätten. Also gute Zeiten für die neuerliche satirische Bestandsaufnahme der gegenwärtigen schlechten Verhältnisse«.

Andreas Blechschmidt in der taz Hamburg

»Was die beiden treiben, ist eine Art intellektueller Notwehr gegen die unerträgliche Seichtheit der Gegenwart. Und wenn sie das einstige Flaggschiff bürgerlich-demokratischen Journalismus, den Spiegel, bei Hatz auf ›Sozialschmarotzer‹ verfolgen … dann hat das nicht nur Unterhaltungswert. Da zeigen sie ganz unangestrengt, wie weit das grassierende neoliberale Geschwätz auch kluge Köpfe verklebt hat.«

Elbe-Jeetzel-Zeitung

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