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Hunter S. Thompson – The crazy never die

20. Januar 2006 – Text, Musik und Film vorgestellt von Klaus Bitterman

Als der Erfinder des Gonzo-Journalismus Hunter S. Thompson am 20. Februar vergangenen Jahres eine 45er Magnum an sich legte, war wohl der Spaß aus seinem Leben verschwunden. Denn nichts anderes war die Antriebsfeder seines Lebens. Und was er unter Spaß verstand, konnte das Publikum im Jugendclub Bureau von Klaus Bittermann, Verleger von »Angst und Abscheu. Das sagenhafte Leben des Hunter S. Thompson« (von Paul Perry), erfahren.

In einer Collage aus Musik, Filmbeiträgen und Text zeichnete Bittermann ein enthusiastisches, aber auch kritisches Porträt des 1937 geborenen »Experten in Sachen Provokation«.

Bob Dylans »Mr. Tambourine Man« läuft leise im Hintergrund, als Bittermann von Thompsons desaströsem Auftritt bei David Letterman 1987 berichtet. Der »Rockstar unter Amerikas Schriftstellern« sei betrunken gewesen, habe in seinem Sessel herumgezappelt und, als er sprach, die Hälfte der Wörter verschluckt, niemand im Publikum habe seinen Ausführungen folgen können.

Zu der Zeit sei Thompson schon nur mehr eine Parodie des bedeutenden Autors gewesen, der 20 Jahre zuvor mit »Hells Angels« und »Fear & Loathing in Las Vegas« nicht nur seinen Ruhm, sondern auch eine neue Form der Literatur, den »Gonzo-Journalismus«, begründete. Die Kombination aus Realität und Fiktion sei neuartig gewesen und sei prägend auch für die heutige journalistische Arbeit. Thompson habe diesen Stil jedoch auch gelebt, seine öffentlichen Auftritte seien legendär gewesen.

Als er 1970 in Aspen für das Sheriff-Amt kandidierte mit dem Versprechen, ein »Klasseteam von Freak-Deputies« aufzustellen und abends Mescalin zu kauen, und knapp gegen den Amtsinhaber verlor, fiel dem Establishment ein Stein vom Herzen, doch habe sich der »politische Junkie« nicht davon abhalten lassen, auch die nächsten 30 Jahre die bürgerliche Mehrheit in Wort und Tat zu verhöhnen.

Selbst die Trauerfeier nach seinem Tod, so der Referent, habe die gesellschaftlichen Konventionen im wahrsten Sinne des Wortes gesprengt: In Colorado wurde der Wille Hunter S. Thompsons erfüllt, ein 40 Meter hohes Monument mit einem Feuerwerk eingeweiht und die Asche des Toten in die Luft geschossen.

Bittermanns Lesung seines Nachworts zu der Biographie und die gezeigten Filmszenen über Thompson vermittelten den 60 Besuchern einen Einblick in das Leben und Wirken einer der kompromisslosesten Stimmen unserer Zeit. Eine Auswahl an Lieblingsliedern von Hunter S. Thompson rundete die gelungene und unterhaltsame Veranstaltung ab, die vom Jugendbeirat präsentiert wurde.

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