Archiv

»Hellinger-Szene ein sektenhafter Verein«

27. März 2004 – Antwort auf den Leserbrief am 21. März 2004 von Prof. Klaus Weber

Zu einem Leserbrief von Sebastian Sonntag (»Zuhörer diffamiert und eingezwängt«, SRZ vom 21. März) erreichte uns eine Zuschrift des Referenten der kritisierten Vortragsveranstaltung über die Methode des Familienaufstellens nach Bert Hellinger. Prof. Klaus Weber von der Fachhochschule München wehrt sich gegen »ungerechtfertigte Vorwürfe« Sonntags:

1. Herr Sonntag ist, das hat er auf der Veranstaltung zum Thema »Bert Hellinger« selbst betont, ein kritischer Anhänger Hellingers. Während der Diskussion hat er kritische Fragen gestellt, die ich mich bemühte, zu beantworten.

Allerdings stellte ich Herrn Sonntag auch eindringlich die Gegenfrage, ob er denn auch bei Veranstaltungen von Hellinger so mutig sei, diesen zu kritisieren; beispielsweise wegen dessen Verehrung Adolf Hitlers, seines unverblümten Antisemitismus oder seines Ausspruchs, der Brustkrebs bei Frauen sei die normale Folge ihrer Abweichung von der weiblichen Rolle. Herr Sonntag – der sich als mutiger Vertreter von Meinungsfreiheit darstellt – hat niemals und nirgends diese menschenverachtenden Äußerungen von Hellinger kritisiert.

2. Herr Sonntag hat auf der Veranstaltung zugegeben, dass er ebenfalls Aufstellungsarbeit macht, ohne seine Aufstellungen mit den Betroffenen anschließend zu reflektieren. Damit verletzt er jegliche beraterischen und therapeutischen Minimalstandards und schadet den Klienten mehr, als er ihnen nützt. Insofern ist es nicht verwunderlich, wenn er selbst ins Sperrfeuer der Kritik geriet.

3. Die Veranstaltung und die anschließende Diskussion zeigten deutlich, dass Bert Hellinger und seine Anhänger jegliche Kritik an ihrem unwissenschaftlichen und von der Fachwelt als unprofessionell eingestuften Tun mit dem Argument abwehren, es gäbe auch etwas Gutes an dem Ganzen. Meine Frage an Herrn Sonntag, was daran gut sein solle, wenn missbrauchte Mädchen in Aufstellungen von Hellinger zu ihrem Vater den Satz sagen müssen: »Papa, ich habe es gern für dich getan!«, konnte Herr Sonntag nicht beantworten. 

Dass Herr Sonntag meine Kritik an seinem »Guru« Hellinger nicht annehmen kann, liegt nicht so sehr an meinen Ausführungen (die von der Mehrzahl der Anwesenden verstanden und mit Applaus bedacht wurden), sondern an seinem verengten und menschenverachtenden Weltbild. Die Entwicklung der Hellinger-Szene zu einem sektenhaften Verein zeigt sich daran einmal mehr in aller Deutlichkeit.

Prof. Dr. Klaus Weber

‹‹‹ zurück zum Archiv