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Orgasmusschwierigkeiten und die Frauenfrage

08. März 2008 – Ein Vortrag zu dem Beginn einer neuen Frauenbewegung von A. Trumann

Den Beginn der Deutschen Frauenbewegung markiert Helke Sanders Tomatenwurfrede auf der Delegiertenversammlung des SDS, dem avanciertesten Teils der Studentenbewegung von 1968: »Genossen eure Veranstaltungen sind unerträglich. Ihr seid voll von Hemmungen, die ihr als Aggressionen gegen die Genossen auslassen müsst, die etwas Dummes sagen oder etwas dass ihr schon wisst. Warum sagt ihr nicht endlich, dass ihr kaputt seid vom letzen Jahr, euch in politischen Aktionen körperlich und geistig zu verausgaben ohne dabei Lustgewinn zu verbinden. Warum sprecht ihr hier vom Klassenkampf und  zu Hause von Orgasmusschwierigkeiten. Ist das kein Thema für den SDS?«

Die Hoffnungen der SDS-Frauen von den allgemeinen Emanzipationsbestrebungen der Studentenbewegung profitieren zu können wurden zerstört, indem hier die Trennung zwischen Privat und Öffentlich wieder hergestellt wurde, die für die bürgerliche Gesellschaft konstitutiv ist. Die Frauen leckten die Wunden der Revolutionäre, die ihnen in den politischen Führungsstreitigkeiten und im Kampf gegen die Staatsgewalt, zugefügt worden waren und fühlten sich dabei auch nicht anders als die Ehefrau, die ihrem Mann nach getaner Arbeit das Essen vorsetzt. 
Ging es den SDS-Frauen politisch um die Aufhebung der Trennung von Produktion und Reproduktion, Öffentlich und Privat, also um die Aufhebung der Geschlechter, so schlug sich die kurz darauf bildende Frauenbewegung stets auf eine Seite der Trennung. Entweder also auf die Annährung an die Männer im Gleichheitsfeminismus oder eine Überhöhung der Weiblichkeit im Differenzfeminismus.
Das dies aber erst geschah als die Möglichkeit der Revolution verspielt worden war, ist kein Zufall. Denn die Trennung zu akzeptieren heißt auch gleichzeitig Staat und Kapital zu akzeptieren.

Andrea Trumann lohnarbeitet als Sozialpädagogin in einem Mädchenprojekt, bei dem sie oft ohne Erfolg die Mädchen von den Vorteilen der Gleichheit überzeugen möchte. Politisch dagegen versucht sie in Büchern und Veranstaltung für eine kommunistische Bewegung, die die Aufhebung der Geschlechter jenseits von Kapital und Staat miteinschließt, zu agitieren.

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